Springe direkt zu Inhalt

Noctis Labyrinthus

Die Region Noctis Labyrinthus (lateinisch für „Labyrinth der Nacht") liegt zwischen dem westlichen Rand der Valles Marineris und dem Tharsis-Hochland. Das Labyrinth hat eine Ausdehnung von 1.190 Kilometern, ist also fast so groß wie Deutschland. Charakteristisch für dieses Gebiet ist ein System von tiefen und steilwandigen Tälern, die durch Verschiebungen der Marskruste entstanden sind. Viele von ihnen weisen das Erscheinungsbild eines tektonischen Grabens auf: Durch Dehnung hat sich ein Teil der Kruste zwischen zwei stehengebliebenen Blöcken auf beiden Seiten abgesenkt. Im Bild gut zu erkennen sind Schluchten, die sich gegenseitig kreuzen, und Täler von bis zu 30 Kilometer Breite und bis zu sechs Kilometer Tiefe. Auf der Erde gibt es nichts Vergleichbares.

Der intensive Vulkanismus im Westen der Tharsis-Region, der mit einer Aufwölbung großflächiger Gebiete verbunden war hat diese charakteristische Landschaft geformt. Diese Aufwölbung führte zu tektonischen Spannungen. Deren Folge war die Dehnung und Ausdünnung der Kruste und die Bildung der Gräben. Große Plateaus, die das ursprüngliche Oberflächenniveau darstellen, dominieren die Region – eine einzigartige Landschaft in unserem Sonnensystem.

Das Mosaik zeigt die vielfältigen Details und ihren geologischen Kontext im östlichen Teil der Region Noctis Labyrinthus. Das beschriftete Bild zeigt die Standorte interessanter geologischer Merkmale. Das Mosaik ist sehr groß und enthält viele Details, die man nur sehen kann, wenn man tief in das Bild hineinzoomt. An vielen Stellen sind gewaltige Erdrutsche zu erkennen, die die steilen Talhänge und die Talsohlen bedecken.

Spektrale Untersuchungen ergaben Schichten von hydrierten Sulfaten und Tonmineralen an den steilen Hängen. Diese Minerale deuten auf ein wässriges Milieu in der Vergangenheit hin. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Felsen verwittert sind, als in Noctis Labyrinthus Wasser vorhanden war. Schmale, lineare Kanäle weisen ebenfalls auf das ehemalige Vorhandensein von Wasser in dem Gebiet hin. Die chaotisch zerbrochenen Gebiete könnten durch abschmelzendes Bodeneis und das Einbrechen der darüberliegenden Oberfläche entstanden sein.

Andernorts lassen sich an den Talhängen lange, weit verzweigte lineare Strukturen beobachten. Dabei handelt es sich um Sand- und Staubablagerungen, die vom Wind zu ausgedehnten Rippelfeldern geformt wurden, deren Kämme durch Abstände von 150 und 400 Meter voneinander getrennt sind. Diese Sandkämme sind senkrecht zur Windrichtung ausgerichtet und oft auf großen Sand- oder Dünenflächen entstanden. Die fast senkrechte Ausrichtung der Rippel an zahlreichen Hängen deutet darauf hin, dass der Sand parallel zum Hang transportiert wurde, während in den Talsohlen oder an flacheren Hängen der Wind das feinkörnige Material aus verschiedenen Richtungen entlang der Täler und auch bergauf transportierte.