3.1 Bahnhof Antofagasta der FCAB

Am Bahnhof der Ferrocarril de Antofagasta a Bolivia (FCAB) wurde die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur der Stadt erläutert, bei der vor allem die Eisenbahn bis zum Ende des Nitratbooms in den dreißiger Jahren eine entscheidende Rolle spielte. Außerdem wurde die Wasserversorgung Antofagastas besprochen.

 

Abbildung 3.1.1

Abb. 3.1.1: Die Fassade des Bahnhofs der FCAB. Foto: B. Baurycza

 

3.1.1 Bedeutung der Eisenbahn

1873, als die Region noch bolivianisches Staatsgebiet war, wurde von der Antofagasta Nitrate and Railway Company (FCAB) mit dem Eisenbahnbau in Antofagasta begonnen. Der Bahnhof, ein prachtvoller Holzbau, wurde im November 1878 fertig gestellt. Er wurde - wie die gesamte Eisenbahn - von den Engländern erbaut, da nur diese über das nötige Know-how sowie über sämtliche Baumaterialien verfügten, welche komplett aus England importiert werden mussten. 1888 ging die Bahn in den Besitz der FCAB über, die das Eisenbahnnetz im Norden Chiles noch heute betreibt.

Damals gab es neben dem Güterverkehr von und zu den Salitreras auch - untergeordnet - den Personenverkehr. Ein solcher Personenzug ist heute vor dem Bahnhof zu besichtigen. Es wird darüber nachgedacht, diesen historischen Zug als Touristenattraktion mittel- bis langfristig nach San Pedro fahren zu lassen.

Heute wird die Bahn größtenteils für den Güterverkehr zu den Kupferminen genutzt. Mehrmals täglich durchquert ein Kupferzug, der mit Kupferanoden oder Schwefelsäure beladen ist, die Stadt. An der zum Teil ungünstigen Streckenführung der Eisenbahn durch das Stadtzentrum ist erkennbar, dass zunächst die Trasse gebaut wurde und die Siedlung erst danach herum entstanden ist. Damals wie heute sind die Prioritäten der Stadtplanung in Antofagasta viel mehr auf die Bedürfnisse der Industrie abgestimmt als in anderen Städten.

 

Abbildung 3.1.1.1

Abb. 3.1.1.2: Ein beladener Kupferzug, dessen Weg quer durch Antofagasta führt. Die Kupferkathoden werden vom Hafen aus nach Übersee exportiert. Foto: C. Heubeck

 

3.1.2 Wasserversorgung

In Antofagasta gibt es aufgrund der extremen Trockenheit und der hydrogeologischen Situation kein Grundwasser. Deshalb wird Wasser aus der Hochkordilliere genutzt, welches durch eine Pipeline mit einem Durchmesser von 1 m aus 350 km Entfernung transportiert wird. Kommt es durch Erdbeben oder debris flows zu einer Beschädigung der Pipeline, fällt die Trinkwasserversorgung der Stadt komplett aus. Die 2006 für 27 Mio. Euro erbaute Meerwasser-Entsalzungsanlage hat zwar eine Kapazität von 13 000 m3/Tag, das gewonnene Wasser hat jedoch keine Trinkwasser-Qualität. Es wird als Brauchwasser in den umliegenden Minen und der Industrie verwendet. Damit findet eine dringend benötigte Entlastung der knappen Wasserressourcen Nordchiles statt, die durch den großen Wasserverbrauch bei der Extraktion mineralischer Rohstoffe stark beansprucht werden: In den vergangenen Jahren reichten die erneuerbaren Wasserressourcen der Hochregion nicht aus, so dass in verstärktem Ausmaß nicht erneuerbare fossile Tiefengrundwasser gefördert wurden (Richter & Schmidt, 2002).

 

 

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