Einleitung

 

Exkursionsroute
Verknüpfungen
Geologie
Ökologie, Geschichte, Kultur
Vernetzung
Anschlussaktivitäten
Logistik
Zusammenfassung

 

Exkursionsroute

Abbildung 1

Abb. 1: Exkursionsroute. Ziffern geben die Tageszahl an. Quelle: GTOPO30

 

Verknüpfungen

Geowissenschaftliche Institutionen des Berlin-Brandenburger Raumes (Geologie der FU, TU, U Potsdam, Geographie der HU und das GeoForschungsZentrum Potsdam) haben eine viele Jahrzehnte zurückreichende Tradition in den Anden. Der bisherige wissenschaftliche Höhepunkt war der langlebige SFB 267 „Deformationsprozesse in den Anden“ ,1992 - 2003, für den die FU die Sprecherfunktion ausübte. Obwohl die Forschungsaktivitäten vieler damals Beteiligten sich inzwischen verlagert haben, existieren weiterhin die Kenntnisse und die freundschaftlichen Beziehungen zu zahlreichen südamerikanischen Institutionen.

Beginnend mit dem Abschlusskolloquium des SFB (2005) begann ein reger Austausch von Geologiestudierenden der Universidad Catolica del Norte (UCN), Antofagasta, mit Geologiestudenten der FU, in dessen Rahmen UCN-Studenten ein Semester an der FU verbringen und im Gegenzug FU-Studierende in Nordchile Diplomarbeiten und –kartierungen durchführen. Bis 2009 nahmen zehn Studierende der UCN und fünf DiplomandInnen/M.Sc.-Studierende der FU diese Möglichkeit des Auslandsaufenthalts wahr. Ab August 2008 wurde der Austausch im Rahmen eines strukturierten Programms finanziell vom DAAD unterstützt. Studierende beider Seitenbelegen für jeweils ein Semester an der jeweiligen Gastuniversität Kurse, die an der Heimatuniversität angerechnet werden.

 

Geologie

Die Geologie Nordchiles zeigt weltweit exemplarische Eigenheiten, die Studierenden in Deutschland nur theoretisch vermittelt werden können, aber zu einer zunehmend international ausgerichteten geologischen Berufsausbildung wesentlich gehören. Dazu zählen der Aufbau und die Struktur eines aktiven Subduktions-Plattenrandes, seine charakteristischen Gesteinsassoziationen und Deformationsstrukturen, der Vulkanismus und die hohe Seismizität. Am nordchilenischen Plattenrand kommen noch die weltweit einzigartige, durch die Hyperaridität der Atacama-Wüste vermittelte Geomorphologie und bedeutende Lagerstätten hinzu. Diese drei wesensbestimmenden Eigenheiten Nordchiles (aktiver Plattenrand, Lagerstätten und Hyperaridität) sind miteinander durch langwirkende und komplexe Regelkreisläufe verknüpft.

Ein entscheidender Vorteil für die Vorbereitung und Durchführung der Exkursion war, dass das Wüstenklima und das Infrastrukturnetz der Bergbauindustrie die zu besuchenden Lokalitäten ausgezeichnet aufschließt bzw. leicht zugänglich macht; zudem ist die Region wissenschaftlich sehr gut untersucht.

 

Abbildung 2

Abb. 2: Rezente Heraushebung pliozäner Foreshore-Sedimente nördlich von Antofagasta (Tag 2); Valle de la Muerte in der Cordillera de la Sal (Tag 13);  Kupfererzabbau in der Mine Chuquicamata (Tag 10).

 

Ökologie, Geschichte, Kultur

Das so andere klimatische Umfeld der Atacamawüste war auch aus botanischen und historischen Gesichtspunkten interessant. Mein Co-Leiter, Dr. Bernd Weber, wies während der Exkursion fachmännisch auf die vielen Besonderheiten der Biosphäre in der Region hin, von Tamarugo-Plantagen bis hin zu Biomatten. Historische und kulturelle Attraktionen wurden neben den fachlichen Zielen bewusst gleichberechtigt in das Programm aufgenommen, so z.B. das Astronomische Observatorium der ESO auf dem Cerro Paranal, die historischen Geisterstädte des ehemals weltpolitisch wichtigen Nitratabbaus im Längstal, Zeugnisse der atacamneischen Urbesiedlung und der inkaischen Besetzung um San Pedro de Atacama sowie Relikte der spanischen Eroberung und der chilenische Übernahme von ehemals bolivianischen Territorium.

 

Abbildung 3

Abb. 3: Campus der UCN in Antofagasta (Tag 16); Friedhof aus der Zeit des Nitratabbaus in der Atacama (Tag 9) ; Astronomisches Observatorium Cerro Paranal der ESO (Tag 3)

 

Vernetzung

Die Exkursion trug zur Popularisierung des Studentenaustauschprogramms bei und eröffnete uns durch das Kennenlernen von Land und Leuten Gelegenheit zum persönlichen Wachstum und vielfältigen kulturellen und sozialen Erfahrungen. Die drei deutschen Austauschstudenten des WS 08/09 vor Ort konnten ihren neu angereisten deutschen Kommilitonen ihren erreichten Grad an kultureller Anpassung demonstrieren.

 

Abbildung 4

Abb. 4: Deutsch-chilenisches Gruppenfoto in Antofagasta (Tag 1); Plaza Colón, Antofagasta (Tag 1)

 

Zwei chilenische Studenten der UCN, die in Deutschland am Institut studiert hatten, Erik Jensen und Rodrigo Gomila, nahmen an der gesamten Exkursion teil. Drei weitere chilenische Austauschstudenten des FU-SoSe 09 (Camilo Rojas, Paulina Cortez, Javiera Chocobar) begleiteten uns während dreier Exkursionstage und erhielten so vorab Gelegenheit, die Deutschen kennenzulernen. Die Vertrautheit mehrerer Teilnehmer in Sprache und Umfeld war für viele Belange der Exkursion außerordentlich nützlich. Ein Abschlussseminar an der UCN mit Führungen und Vorträgen, welches in eine ausgedehnte binationale Parillada überging, rundete die Exkursion recht passend ab.

Der Exkursionsleiter (Heubeck) verbrachte einen Teil seines Forschungsfreisemesters (WS 08/09) als DAAD-Kurzzeitdozent an der UCN in Antofagasta und konnte so die Exkursion vor Ort vorbereiten. Die gute Bekanntschaft mit vielen Dozenten der UCN war eine große Hilfe in der fachlichen und logistischen Vorbereitung. Somitbefand ich mich in der angenehmen Lage, die (noch bleichhäutigen) Teilnehmer samt ihren Koffern nicht durch Flughäfen schleusen zu müssen, sondern sie, auf einer Parkbank sitzend, am 18.2.2009 neun Uhr morgens am Uhrenturm der Plaza Colón in Antofagasta in Empfang nehmen zu können.

 

Anschlussaktivitäten

Eigene Aktivitäten nach Exkursionsende boten sich an. Nahezu alle Teilnehmer nutzten Anfang März die Möglichkeit, noch nicht ins nasskalte Deutschland zurückzukehren, sondern auf Reisen zwischen Kolumbien und Patagonien ihre Südamerika-Erfahrung zu vertiefen.

 

Logistik

Die bewusst niedrig gehaltene Anzahl von Unterkunftswechseln in Hostal-ähnlichen Unterkünfte in Antofagasta, Iquique, Calama, San Pedro und wieder Antofagasta half, die mit dem täglichen Kofferpacken verbundenen Umstände zu reduzieren. Drei in Antofagasta angemietete achtsitzige Vans, die für die 19 - 22 Teilnehmer bequem Platz boten, dienten als Transportmittel (Abb. 5). Dieses Arrangement stellte sich im Vergleich zur Anmietung eines einzigen Busses mit Fahrer schon bald als viel vorteilhafter heraus, weil es, kombiniert mit den Handys, bei nur unwesentlich höheren Kosten eine große Flexibilität im Tagesablauf erlaubte. Nach 17 Exkursionstagen und 3150 unfallfrei zurückgelegten Kilometern bestand der einzige Schaden aus einigen (von einem Polizeifahrzeug verursachten!) Schrammen.

 

Abbildung 5

Abb. 5: Die drei Exkursionsfahrzeuge am Salar de Coyoques auf dem Altiplano (Tag 14)

Die Reise war durch Zuschüsse von 8640 € (540 € pP) des DAAD, von 6800 € (453 € pP) des Fachbereichs Geowissenschaften und durch ca. 884 € pP studentischen Eigenaufwand finanziert worden. Dadurch war sie sicher die finanziell aufwändigste Exkursion für die Teilnehmer während ihres Studiums, gleichzeitig aber die am höchsten subventionierte Exkursion des Fachbereichs seit vielen Jahren.

Die Exkursion bildete Teil des M.Sc.-Moduls C010 (Geländepraktikum für Fortgeschrittene), in welchem für Leistungen im Vorbereitungsseminar, für vier kleinere Beiträge während der Exkursion und für die Beiträge zum Nachbereitungsseminar insgesamt 6 ECTS-Leistungspunkte vergeben wurden. Das letztere Seminar bestand in der angeleiteten, aber selbstorganisierten Erstellung von „peer-reviewed“ Beiträgen dieser Webseite.

 

Abbildung 6

Abb. 6:Exkursionsteilnehmer zeichnen das geologische Profil an der Nordwand der Quebrada San Salvador bei Calama (Tag 12), nehmen am Vorbereitungsseminar teil, lauschen den Ausführungen von Dr. Bernd Weber (Tag 11)

 

Zusammenfassung

Insgesamt war die Durchführung der Exkursion und ihrer umgebenden Kurse ein ausgesprochen positives kollektives Erlebnis, weil die Teilnehmer durch die ganztägigen Vorbereitungsseminare, obligatorische Grundkenntnisse des Spanischen, eine Pizza-und-Rotwein „Vorfreude“-Party am Berliner Institut, großzügige Finanzierung und das Wissen um einen bevorstehenden herzlichen Empfang in Antofagasta unbeschwert in die Exkursion starten konnten.

Abbildung 7

Abb. 7: Exkursionsteilnehmer reiten das Feuerpferd; Estacion Baquedano (Tag 15)

Wir bedanken uns herzlich für die bereitwillige Gabe von Zeit, Wissen und Mühe bei den folgenden Personen (in alphabetischer Reihenfolge):

Ing. Manuel Araya, Codelco Chuqicamata

Prof. Guillermo Chong, UCN, Antofagasta, Chile

Prof. Jürgen Golte, Lateinamerika-Institut, FU Berlin

Prof. Onno Oncken, GFZ Potsdam und FU Berlin

Dr. Ekkehard Scheuber, FU Berlin

Dr. Andy Tomlinson, Ing. Paula Cornejo, Ing. Nicolas Blanco (alle SERNAGEOMIN, Santiago)

Dr. Peter Wigger, FU Berlin

Prof. Hans Wilke, UCN, Antofagasta, Chile