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Nördlich von Labeatis Fossae – die Natur als Bildhauer

Diese Bilder der High Resolution Stereo Camera (HRSC) zeigen tektonische Strukturen in der Ascuris Region auf dem Mars, nördlich von Labeatis Fossae. Die High Resolution Stereo Camera (HRSC) wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und wird von dort betrieben.

  


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HRSC Perspektive

Die Natur als Bildhauer

» Erfahren Sie hier mehr über die Region nördlich von Labeatis Fossae

Eine atemberaubende Aussicht auf die zerklüftete Marsoberfläche verdeutlicht die gewaltigen Kräfte, die auf die Marskruste wirkten. Nördlich der Tharsis Vulkanprovinz gelegen ist diese Region ein Paradebeispiel für sogenannte Horst- und Grabenstrukturen, die auch in Ascuris Planum (PR vom Juli 2015) vorgestellt und beschrieben wurden. Bei diesem Überflug hingegen führten unterschiedliche Lichtverhältnisse, hervorgerufen durch Mars Express‘ einzigartigen elliptischen Orbit und unterschiedliche Aufnahmezeiten zu einem großartigen Meisterwerk der Natur und einem Spiel aus Licht und Schatten.


Wie entstehen Horst-und-Graben-Strukturen?

Die auf den HRSC-Bildern zu sehende Region zeigt wie im Lehrbuch eine sogenannte Horst- und Graben-Tektonik. Wird eine starre, spröde Gesteinskruste gedehnt, beispielsweise weil der Untergrund angehoben wird, gerät die darüber liegende Oberfläche unter Spannung. Steigt die Dehnungsspannung über die für das Gestein "erträglichen" Grenzwerte, kommt es zu einem Aufbrechen der Kruste entlang mehr oder weniger steil einfallender Bruchflächen: Eine „Störungszone“ entsteht. Dehnt sich die Kruste weiter, rutschen große Gesteinsblöcke entlang der Bruchflächen mehrere hundert Meter, stellenweise auch ein- bis zweitausend Meter in die Tiefe: Über viele Millionen Jahre entsteht so ein tektonischer Graben. Die zu beiden Seiten stehen gebliebenen Blöcke überragen nun die Landschaft und bilden die dazu gehörigen Horste. Das Wortpaar „Horst und Graben“ hat seinen Ursprung im frühen, mittelalterlichen Bergmannsdeutsch und wurde nach dem Etablieren der Geologie als „Erdwissenschaft“ in deren Sprachgebrauch übernommen. Es wird in diesem Wortlaut auch in anderen Sprachen verwendet.

Während der langsamen Hebung des Tharsis Schildes der sich über mehrere tausend Kilometer erstreckt und sich bis zu fünf Kilometer über die Umgebung erhebt, führte die Belastung der Kruste zu vielen Extensionsbrüchen. Darüber hinaus wurde auch ein Wechsel im Stressregime „aufgezeichnet“. Vor allem im Süden (linke Seite der Aufsicht) verlaufen einige Brüche und Rücken nahezu rechtwinklig zur vorherrschenden Hauptausrichtung der Störungen.

Im nördlichen Teil des Bildes (rechte Seite) zeigt die Landschaft ein deutlich sanfteres Profil. Die Gräben sehen zum Teil verfüllt aus und im oberen Bereich sind so genannte „wrinkle ridges“ zu erkennen. Diese entstehen bei der Abkühlung und Verfestigung von Lava und sind damit ein Hinweis auf die sehr tief gehenden Störungen in diesem Gebiet.

High Resolution Stereo Camera (HRSC)

» Informationen zur Herkunft und Verarbeitung der Bilder

Die Aufnahmen mit der HRSC (High Resolution Stereo Camera) entstanden am 30. September 2019 während Orbit 19913 von Mars Express. Die Bildauflösung beträgt etwa 15 Meter pro Bildpunkt (Pixel). Die Bildmitte liegt bei etwa 279° östlicher Länge und 36° nördlicher Breite. Die Farbaufsicht wurde aus dem senkrecht auf die Marsoberfläche gerichteten Nadirkanal und den Farbkanälen der HRSC erstellt, die perspektivische Schrägansicht wurde aus den Geländemodell-Daten, den Nadir- und Farbkanälen der HRSC berechnet. Das Anaglyphenbild, das bei Betrachtung mit einer Rot-Blau- oder Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Landschaft vermittelt, wurde aus dem Nadirkanal und den Stereokanälen abgeleitet. Die in Regenbogenfarben kodierte Aufsicht beruht auf einem digitalen Geländemodell (DTM) der Region, von dem sich die Topographie der Landschaft ableiten lässt. Der Referenzkörper für das HRSC-DTM ist eine Äquipotentialfläche des Mars (Areoid).

Die HRSC-Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und wird von dort betrieben. Die systematische Prozessierung der Kameradaten erfolgte am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof. Mitarbeiter der Fachrichtung Planetologie und Fernerkundung der Freien Universität Berlin erstellten daraus die hier gezeigten Bildprodukte.

Um bereits veröffentlichte Rohbilder und DTMs der Region im GIS-kompatiblen Format herunterzuladen, benutzen Sie bitte diesen Link zu unserem Mapserver.

Images: ESA/DLR/FU Berlin, CC BY-SA 3.0 IGO

Copyright Notice:

Where expressly stated, images are licenced under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 IGO (CC BY-SA 3.0 IGO) licence. The user is allowed to reproduce, distribute, adapt, translate and publicly perform it, without explicit permission, provided that the content is accompanied by an acknowledgement that the source is credited as 'ESA/DLR/FU Berlin', a direct link to the licence text is provided and that it is clearly indicated if changes were made to the original content. Adaptation / translation / derivatives must be distributed under the same licence terms as this publication.

Die High Resolution Stereo Camera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern gebaut (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH). Das Wissenschaftsteam unter Leitung des Principal Investigators (PI) Prof. Dr. Ralf Jaumann besteht aus 52 Co-Investigatoren, die aus 34 Institutionen und 11 Nationen stammen. Die Kamera wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben.