Geschichte der Meteorologischen Bibliothek (1951 - 2029)
Im August 1949 stimmte der Senat von Berlin der Gründung eines Instituts für Meteorologie und Geophysik der Freien Universität Berlin zu. Im Wintersemester 1949/50 nahm das Institut seine Tätigkeit in einem Holzhaus am Kiebitzweg in Berlin-Dahlem auf, mit gerade einmal fünf Mitarbeitern. Zum Leiter wurde Dr. Richard Scherhag bestellt, der am 31. Oktober 1949 seine erste Vorlesung vor 15 Studierenden hielt. Für die Geophysik war Prof. Dr. Karl Feußner zuständig, der später ein eigenständiges Institut leitete.
1951 zog das Institut in eine Villa in der Podbielskiallee 62 in Berlin-Zehlendorf um. Mit diesem Umzug wurde auch die Klimastation Berlin-Dahlem dort angesiedelt. In diesen Räumen entstand die erste institutseigene Bibliothek, die das Bibliothekssigel B 832 erhielt. 1952 erschien die erste Ausgabe der Berliner Wetterkarte, die seither täglich herausgegeben wird und das Institut weit über die Universität hinaus bekannt machte. Im selben Jahr wurde Scherhag zum ordentlichen Professor berufen.
1962 gründete Prof. Dr. Heinz Fortak an der FU Berlin ein eigenständiges Institut für Theoretische Meteorologie, das seinen Standort an der Thielallee 50 in Berlin-Dahlem hatte. Dieses Institut führte eine eigene Bibliothek mit dem Sigel B 886. Damit gab es ab diesem Zeitpunkt zwei voneinander getrennte meteorologische Bibliotheken an zwei verschiedenen Standorten in Dahlem.
Nach dem plötzlichen Tod von Richard Scherhag am 31. August 1970 begann für das Institut eine schwierige Zeit. Im Zuge der Universitätsreform wurden die Geophysiker sowie einige Kollegen aus dem Institut für Meteorologie dem Institut für Theoretische Meteorologie angegliedert. Die neue Einheit erhielt den Namen Institut für Geophysikalische Wissenschaften und verblieb an der Thielallee 50, mit seiner eigenen Bibliothek (Sigel B 886). Das Institut für Meteorologie erhielt derweil die Organisationsform einer Zentralen Einrichtung und wurde 1977 als Wissenschaftliche Einrichtung in den Fachbereich Geowissenschaften eingegliedert.
Die räumliche Verlagerung des Instituts nach Berlin-Steglitz vollzog sich schrittweise. Als erstes wurde 1983 der alte Steglitzer Wasserturm am Carl-Heinrich-Becker-Weg für meteorologische Zwecke ausgebaut. Der eigentliche Neubau auf dem Fichtenberg, entworfen vom Berliner Architekturbüro Fehling+Gogel, war bereits seit 1978 in Planung, verzögerte sich jedoch durch den Widerstand einer örtlichen Bürgerinitiative erheblich. Nach zwölfjähriger Planungs- und Bauzeit wurde er 1993 fertiggestellt. Das Gebäude ist an seinem markanten 30 Meter hohen Stahlturm für Wetterbeobachtungen erkennbar.
Mit dem Abschluss des Umzugs und der Zusammenführung der beiden meteorologischen Institute kam es 1994 zur Vereinigung der beiden Bibliotheken unter einem Dach im 2. Obergeschoss des Neubaus am Carl-Heinrich-Becker-Weg 6–10. Das Sigel B 886 der ehemaligen Bibliothek der Theoretischen Meteorologie wurde seitdem als ungültig geführt. Das Sigel B 832 blieb als einziges bestehen und trägt heute die Bezeichnung 188/832. Die Zweigbibliothek Meteorologie gehört zur Universitätsbibliothek der FU Berlin. Ihr Bestand umfasst neben aktueller Fachliteratur zu Meteorologie und Geophysik auch bedeutende historische Sammlungen, darunter Meteorologische Jahrbücher mit Wetterdaten ab Mitte des 19. Jahrhunderts sowie Veröffentlichungen des Preußischen Meteorologischen Instituts.
In ihrer heutigen Form besteht die Bibliothek seit 1994, also seit über 30 Jahren. Mit der geplanten Schließung des Instituts für Meteorologie voraussichtlich Ende 2029 wird sie nach 35 Jahren ihren eigenständigen Betrieb einstellen. Das Institut zieht dann an den Geocampus Lankwitz um, wo die Bibliothek in den Bestand der Fachbibliothek Geowissenschaften übergehen wird.
Zeitleiste
1951 — Erste Bibliothek gegründet Podbielskiallee 62, Zehlendorf · Sigel B 832
1962 — Zweite Bibliothek gegründet Thielallee 50, Dahlem · Sigel B 886 · Institut für Theoretische Meteorologie
1993 — Umzug nach Steglitz Neubau am Carl-Heinrich-Becker-Weg fertiggestellt
1994 — Zusammenlegung beider Bibliotheken Sigel B 886 aufgehoben · Gemeinsamer Standort im 2. OG des Neubaus · Sigel 188/832
Ende 2029 — Umzug nach Lankwitz Eingliederung in die Fachbibliothek Geowissenschaften am Geocampus Lankwitz
Ergänzungen aus den Protokollen zum Umzug nach Lankwitz (1991–2004)
Die internen Protokolle der Freien Universität zeigen, dass die Verlagerung der Meteorologie nach Lankwitz bereits seit Anfang der 1990er Jahre intensiv diskutiert wurde. Ende 1991 bezog das Institut den speziell für meteorologische Zwecke errichteten Neubau am Fichtenberg mit Beobachtungsturm, Bibliothek, Instrumentenpraktikum und Messwiese. Gleichzeitig begann innerhalb der Universität eine länger andauernde Strukturdebatte über die organisatorische Zukunft der Meteorologie.
1992 beschloss eine Strukturkommission der FU zunächst, das Meteorologische Institut der Humboldt-Universität in die FU einzugliedern. Dieser Plan wurde jedoch noch im selben Jahr wieder verworfen; zugleich stand fest, dass es an der Humboldt-Universität künftig keinen eigenständigen meteorologischen Studiengang mehr geben würde.
Ab Mitte der 1990er Jahre verstärkten sich die Überlegungen, die Geowissenschaften am Standort Lankwitz zu konzentrieren. 1996 empfahl eine von Vizepräsident Kaindl eingesetzte Kommission eine stärkere Verbindung von Meteorologie und Physik unter dem Begriff „Physik der Atmosphäre“. Im selben Jahr wurde außerdem der Wunsch formuliert, die Geowissenschaften langfristig in Lankwitz zu vereinen. Dies führte zu gemeinsamen Stellungnahmen von Meteorologie und Geographie gegen einen Umzug vom Fichtenberg.
1997 konkretisierten sich die Planungen: In internen Gesprächen wurde vorgesehen, Geographie und Meteorologie schrittweise nach Lankwitz zu integrieren. Der Standort Fichtenberg sollte dabei teilweise erhalten bleiben, insbesondere der Beobachtungsstandort mitsamt Wasserturm. 1998 galt die Umzugsplanung zeitweise bereits als nahezu abgeschlossen; vorgesehen war sogar die Unterbringung der meteorologischen Bibliothek mit rund 2400 laufenden Metern Bestand in einem Bibliotheksgebäude in Lankwitz.
1999 wurde der geplante Umzug der Meteorologie nach Lankwitz zunächst durch ein Moratorium gestoppt. In Gesprächen mit dem Präsidium entstand stattdessen ein Konzept zur weiteren Nutzung des Standorts Fichtenberg durch Meteorologie, Weltraumwissenschaften und Theaterwissenschaft. Noch im selben Jahr entschied das Präsidium jedoch, die Weltraumwissenschaften in den Carl-Heinrich-Becker-Weg zu verlagern. Die ursprünglich für die Meteorologie vorgesehenen Flächen in Lankwitz wurden daraufhin anderen Bedarfen zugeordnet.
2002 erklärte die Universitätsleitung die Konzentration der geowissenschaftlichen Einrichtungen in Lankwitz mit dem Umzug der Mineralogie offiziell für abgeschlossen. Dennoch tauchten bereits 2004 erneut Planungen für einen möglichen Umzug der Meteorologie nach Lankwitz auf. In einer Stellungnahme betonte das Institut, dass am Standort Fichtenberg optimale Bedingungen für Forschung und Lehre geschaffen worden seien und diese bei jeder weiteren Umzugsplanung berücksichtigt werden müssten.
Ergänzte Zeitleiste
- Ende 1991 — Bezug des Neubaus am Fichtenberg
Neubau mit Beobachtungsturm, Bibliothek, Messwiese und Praktikumsräumen fertiggestellt - 1992 — Erste Strukturdebatten
Diskussion über Eingliederung der Humboldt-Meteorologie in die FU; später verworfen - 1996 — Erste konkrete Lankwitz-Pläne
Empfehlungen zur stärkeren Integration der Meteorologie in die Geowissenschaften und zur Konzentration in Lankwitz - 1997–1998 — Umzugsplanung nach Lankwitz
Bibliothek mit rund 2400 lfm Bestand soll nach Lankwitz verlagert werden - 1999 — Moratorium gegen den Umzug
Geplanter Umzug der Meteorologie wird vorläufig gestoppt - 2004 — Neue Umzugsüberlegungen
Präsidium plant erneut eine Verlagerung nach Lankwitz unter Erhalt des Wasserturms
Quellen: Horst Malberg, „50 Jahre Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin", Berliner Wetterkarte, 9. November 1999; Erlebte Geschichte der FU Berlin, Thema Meteorologie; Berliner Wetterkarte e.V.; Sigeldatenbank der Staatsbibliothek zu Berlin; FU Berlin Pressemitteilung Oktober 2017; Matthias Eckhardt