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Die Meteorologie und die Medizin der Romantik im Kontext

News vom 18.12.2019

Dieser Artikel stellt ein bisher unbekanntes Gutachten des “romantischen” Naturphilosophen und Mineralogen Henrik Steffens (1773–1845) vor. In dessen Ideen über die medicinische Meteorologie, die – vermittelt durch Johann Christian Reil (1759–1813) – vom Preußischen Innenministerium in Auftrag gegeben worden waren, argumentierte Steffens für eine neue, „organische“ Perspektive auf die Meteorologie. Diese sollte die Beziehungen zwischen der Atmosphäre und Krankheiten unter Menschen und Tieren in den Blick nehmen. In Form einer Beobachtungsreihe, schlug er vor, sollte sie innerhalb der Strukturen des preußischen Innenministeriums umgesetzt werden. Exzerpte aus dem Gutachten sind übersetzt und kommentiert worden, um deren Kontext zu beleuchten. Diese zeigen, dass das Gutachten Teil einer deutlich älteren europäischen Wissenstradition war, die sich mit der Verbindung zwischen Änderungen in der Atmosphäre und Gesundheit befasste. Eine spekulative Variante dieser Tradition, für die hier der umfassendere Begriff “organische Meteorologie” eingeführt wird, wurde durch Schellings Naturphilosophie im deutschsprachigen Raum neu befeuert. Das Gutachten und sein Kontext beweisen, dass der preußische Staat die Expertise eines “romantischen” Naturforschers nutzte, dass Steffens diese bereitwillig zur Verfügung stellte und dieser Vorgang Teil eines umfassenderen Professionalisierungsstrebens in der Medizin war.

NTM Zeitschrift für Geschichte der Wissenschaften, Technik und Medizin

June 2019, Volume 27, Issue 2, pp 145–163| Cite as

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