16 Abschluss in Antofagasta

Christoph Heubeck

Nach dem langen und anstrengenden Vortag begann das offizielle Programm zu angemessener Zeit um drei Uhr nachmittags. Abschließendes Ziel der Exkursion war es, an diesem Tag die persönlichen Eindrücke der Geologie Nordchiles nun durch wissenschaftliche Aspekte am Departamento de Geologia der Universidad Catolica del Norte (UCN) zu ergänzen.

Abb. 16.1.1: Prof. Guillermo Chong Diaz (links) und Prof. Hans Wilke (rechts) stellen uns die UCN und das Studium an dieser Universität vor. Fotos: B. Weber.

Prof. Hans Wilke, chilenischer Repräsentant des DAAD-geförderten Austauschprogramms zwischen den Geologischen Instituten von UCN und FU (und darin Partner des Verfassers), eröffnete die Sitzung im Hörsaal des Departamento de Geologia mit einem Überblick über die UCN, das Departamento und seine Studiengänge. Uns überraschten vor allem die hohen Studiengebühren (bei deutlich niedrigerem durchschnittlichem Pro-Kopf-Einkommen Chiles) und die etwa gleich hohen Studentenzahlen wie an unserem heimischen Institut - bei deutlich geringerer Dozentenzahl. Prof. Guillermo Chong fasste für uns die Geologie Nordchiles zusammen und beantwortete noch offene Fragen (Abb. 16.1.1).

Zweites Thema des Nachmittags war eine Führung durch das mikrobiologische Institut der UCN, in dessen Laboren an angewandter Geomikrobiologie gearbeitet wird. Von besonderem Interesse ist dort naturgemäß der Einsatz von Bakterien und Archaea zur Aufbereitung von sulfidischen Erzen, in enger Zusammenarbeit mit den Abbaubetrieben.

Abb. 16.2.1: Auf der Führung durch das mikrobiologische Labor wurden uns die Experimente beschrieben. Foto: B.Weber

Dabei gehen die Wissenschaftler und Studierenden mit einer breiten Palette von biochemischen Verfahren und analytischen Geräten vor, um Genome zu entschlüsseln, optimale Wachstumsbedingungen und Stoffumsätze zu ermitteln, und die Tauglichkeit der Mikrobenstämme unter Labor-, Pilot- und Einsatzbedingungen zu erhöhen (Abb. 16.2.1)

Anschließend führte uns Prof. Guillermo Chong, langjähriger Kooperationspartner und Anlaufstelle der deutschen und vor allem Berliner Geowissenschaftler in Nordchile, nach einer Frage-und-Antwort-Runde zum Gesehenen und Erlebten durch das benachbarte, in Renovierung befindliche Lehrmuseum des Instituts. Der Arbeitsaufwand für die didaktische Aufarbeitung der vielfältigen und sehenswerten Ausstellungsstücke war beeindruckend. (Eine ähnliche Aufbereitung von Unterrichtsmaterial wäre für die hiesige Lehrsammlung der FU sicherlich ebenso ein Gewinn!)

Abb. 16.3.1.: Prof. Chong (Mitte) erklärt die repräsentative Gesteins- und Erzsammlung Nordchiles vor dem Museo. Foto: B. Weber

Prof. Chong ermöglichte uns im Anschluss einen (ausführlichen) Blick in das kurz vor der Eröffnung stehende Museo de la Atacama, welches unmittelbar südlich vom Universitätsgelände auf dem Gelände einer ehemaligen Schmelzhütte erbaut wird. Der Weg über das Gelände der UCN vom und zum Museo de la Atacama bot uns zudem einen Überblick über den kompakten, gepflegten und gut organisierten Campus.

Abb. 16.4.1: Blick vom Campus der UCN nach Westen über den Pazifik. Im Hintergrund ist (sehr) undeutlich Neuseeland zu erkennen. Links (etwas deutlicher) die Bibliothek. Foto: C. Heubeck

Auf dem Rückweg fielen uns, etwas abgelenkt vom spektakulären Sonnenuntergang über dem Pazifik, die erdbebenresistente Konstruktion der Universitätsgebäude und die zahlreichen Schilder von Fluchtwegen und Sammelpunkten auf.

Bei beginnender Dunkelheit hatten im Annex bereits die Vorbereitungen zu einem gemeinsamen, deutsch-chilenischen Grillfest begonnen. Dazu soll nur erwähnt werden, dass die Nacht für viele lang (und der Schlaf kurz) ausfiel.

Abb. 16.5.1: Der Verfasser (links) hält eine unendliche Abschlussrede. Exkursionsteilnehmer lauschen mit gemischten Gefühlen, erwarten aber offensichtlich ungeduldig ihr Ende. Foto: B. Weber

Die Exkursion endete mit dem Frühstück am nächsten Morgen während scheinbar unendlicher Photo-Backups auf Festplatten. Für die meisten Exkursionsteilnehmer begann danach ein aufregendes individuelles Anschlussprogramm in Südamerika.