Auf den Spuren vergangener Wasserströme
Übersicht des Oxia-Palus-Quadranten (MC-11) mit markanten geologischen Strukturen und dem Flugpfad in Rot dargestellt.
Dieser Film nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise entlang der Hochländer der Region Xanthe Terra, gelegen im Oxia Palus-Quadranten (MC-11), und führt Richtung Norden zu den Tiefebenen von Chryse Planitia. Während des Flugs überquert der Zuschauer die sogenannte Mars-Dichotomie – eine Übergangsregion, in der die stark verkraterten Hochländer allmählich in die flachen Tiefebenen übergehen. Der südliche Rand der Chryse-Planitia-Senke ist geprägt von den Mündungen der größten Ausflusstäler des Mars. Eines dieser Ausflusstäler ist Ares Vallis – das im Fokus unseres vorherigen Films Rundflug über das gewaltige Ausflusstal Ares Vallis stand. Der Rundflug über Xanthe Terra folgt nun dem westlichsten Ausflusstal Shalbatana Vallis.
Ausflusstäler sind breite, tief eingeschnittene Talstrukturen, die in der geologischen Vergangenheit des Mars höchstwahrscheinlich durch katastrophale Flutereignisse mit enormen Wassermengen entstanden sind. Ausgelöst wurden diese – teils episodisch auftretenden – Ereignisse möglicherweise durch das plötzliche Auftauen großer Eisvorkommen im Untergrund infolge verstärkter vulkanischer Aktivität in der Umgebung. Insofern unterscheiden sie sich von gewöhnlichen Flusstälern, die durch den kontinuierlichen Abfluss von Wasser in die Landschaft erodiert wurden, meist mehr Windungen haben und weniger geradlinig verlaufen.
In Richtung Norden beginnt die Reise mit dem Flug über Shalbatana Vallis. Große Wassermassen erodierten einst dieses tiefe Tal in die Marsoberfläche. Bevor es das Tiefland von Chryse Planitia erreicht, windet es sich über mehr als 1.300 Kilometer durch das Hochland. Dies ist ein klein wenig mehr als der Länge des Rheins von seinem Ursprung in der Schweiz bis zu seiner Mündung in die Nordsee. Man geht davon aus, dass Shalbatana Vallis zwischen dem mittleren und späten Hesperium entstand, also vor etwa 3,5 Milliarden Jahren. Während der Flug dem Tal nach Norden folgt, säumen zahlreiche Einschlagskrater unterschiedlicher Größe die Flugroute – ein charakteristisches Merkmal der alten noachischen Landschaften, die einige Zeit früher, nämlich vor circa vier Milliarden Jahren, entstanden sind.
Danach geht die „Flugreise“ zurück in Richtung Süden. Eine Region, die als Hydraotes Chaos bekannt ist, rückt nun in den Blick – ein Labyrinth aus unregelmäßigen, über tausend Meter hohen Tafelbergen und Hügeln getrennt von tief eingeschnittenen Tälern. Diese verleihen der Region ihr charakteristisches „chaotisches“ Aussehen, das auch im Fachbegriff „chaotisches Terrain“ seinen Ausdruck findet. Solches Terrain findet sich häufig in der Nähe der Dichotomiegrenze des Mars und ist besonders häufig in den Quellregionen großer, alter Ausflusstäler zu finden. Hydraotes Chaos war übrigens auch das Gebiet der ersten Bildveröffentlichung des Mars Express-Kameraexperiments HRSC und 2014 erneut – diesmal für ein spektakuläres Video.
Der Flug endet mit einem Blick auf den etwa 100 Kilometer großen Einschlagskrater Da Vinci. Sein Boden ist relativ eben und mit Gesteinsmaterial verfüllt, wird aber von einem kleineren, jüngeren Einschlagskrater mit einer markanten Decke aus vulkanischem Auswurfmaterial überlagert. Dessen lobenförmige Struktur deutet darauf hin, dass auch hier zum Zeitpunkt des Einschlages Wasser oder Eis im Marsuntergrund vorhanden war.
