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Die Landung von "Perseverance" – NASA’s Mars Rover

Blick in den Jezero Krater

Blick in den Jezero Krater

Die NASA-Mission Mars 2020 ist seit dem 30. Juli 2020 auf dem Weg zum Mars. Mit an Bord: Der NASA-Rover "Perseverance", das komplexeste Gerät, das je zum Mars geschickt wurde. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Instrumenten wird er Behälter für eine Bohrkernsammlung mit sich führen, die auf dem Mars für eine spätere Rückkehr zur Erde durch für die 2030er Jahre geplante Nachfolgemissionen hinterlassen werden. Das rund eine Tonne schwere Gefährt soll heute um 21:55 Uhr MEZ im Jezero-Krater landen und dann die Suche nach Spuren mikrobiellen Lebens aufnehmen. Die Arbeitsgruppe der Freien Universität Berlin ist mit Prof. Dr. Ralf Jaumann als Co-Investigator an der Stereokamera Mastcam-Z (Mast Camera, Zoom) auf "Perseverance" beteiligt. Die Kamera wird in der Lage sein, 360-Grad-Panoramen in 3D und in Farbe zu liefern. Insgesamt verfügt der Rover über 23 Kameras, mehr als jede andere interplanetare Mission bisher. Auch an Bord des Rovers "Ingenuity", eine 1,8 kg schwere Hubschrauberdrohne, die als Nahfeldaufklärungsinstrument eingesetzt werden soll.

  

Siehe auch Link: Flug über den Jezero Krater - NASA Mars 2020 Landestelle vom 29.07.2020

   

Informationen über den Krater und die Landestelle

Die hochauflösenden digitalen Geländemodelle der HRSC haben einen wichtigen Beitrag bei der Auswahl mehrerer Landestellen auf dem Mars geleistet – und so auch für Mars 2020. Denn für eine sichere Landung ist es entscheidend, die Topographie der Landestelle exakt zu kennen (siehe auch PR Mars 2020-Landestelle close-up vom 16.02.2021).

Die neuesten Kartenblätter, die jeweils eine Fläche von über drei Millionen Quadratkilometern abdecken, können von den Webseiten des HRSC-Teams vom Mapserver der Freien Universität Berlin heruntergeladen werden. Eines dieser Kartenblätter (MC-13 Ost) wurde für die hier gezeigten Bildprodukte verwendet. Dieser Ausschnitt zeigt den weiteren geographischen Kontext (siehe Übersichtskarte) um die Landestelle, die etwa bei 18 Grad nördlicher Breite und 77 Grad östlicher Länge liegt. Das dargestellte Gebiet deckt dabei mehr als 1,5 Millionen Quadratkilometer ab (1330 km x 1195 km – das ist mehr als das Doppelte der Iberischen Halbinsel) und gibt einen guten Überblick über die Lage des Einschlagskraters und dessen geologischen Kontext. Die hier gezeigten Karten bieten aber nicht nur einen großräumigen Überblick über die geographische Lage, sie ermöglichen dabei auch einen herausragenden Blick auf Details, der für derartig großflächige Ansichten außergewöhnlich ist. Die hohe Auflösung der hier gezeigten Bildprodukte ermöglicht es, sie stark zu vergrößern, um individuelle Details der Landschaft genauer zu betrachten.

Die außergewöhnliche geologische Vielfalt dieser Region verhalf Jezero bei der fünf Jahre dauernden intensiven, akribischen Auswahl der Landestelle am Ende das Rennen zu gewinnen. Der Krater liegt genau an der Grenze zwischen der uralten Hochlandregion Terra Sabaea, in der noch Gesteine aus dem Marsaltertum (dem Noachium: 4,1 – 3,7 Mrd. Jahre vor heute) zu finden sind, und dem ähnlich alten Isidis-Einschlagsbecken, das vor 3,9 Mrd. Jahren entstanden ist, dessen heutige Ebene Isidis Planitia aber vor allem von deutlich jüngeren Ablagerungen gebildet wurde, die im Marsmittelalter, dem Hesperium (3,7 – 3,0 Mrd. Jahre vor heute) und der Marsneuzeit (dem Amazonium: 3,0 Mrd. Jahre bis heute) entstanden. Das nahegelegene Grabensystem Nili Fossae, das durch seine Biegung in etwa die Form des Beckenrandes von Isidis nachzeichnet, ist genau durch diesen Einschlag als Folge von tektonischen Brüchen entstanden. Im Südwesten von Jezero schließt sich die Vulkanregion Syrtis Major an, dessen jüngste Lavaströme ebenfalls dem Hesperium zugeordnet werden. Somit entstammen die Gesteine und Ablagerungen in und um den Krater allen drei geologischen Epochen des Mars.


Blick in das Ausflusstal und die Deltabereiche

Das Ausflusstal Pliva Vallis (Viewpoint Outflow channel) durchbricht den Kraterrand im Osten über eine Schwelle hinweg. Aus den Höhenangaben von Kraterrand, Kraterboden, Schwelle und Deltaoberkante lässt sich auch eine mögliche Tiefe des Kratersees ableiten die bei Jezero mindestens 250 Meter betragen haben dürfte. Da allerdings sowohl die Deltas (Viewpoint Delta basement and Delta top), als auch die Schwelle am Ausflusstal nach Ende der Wasseraktivität vor etwa 3,8 Milliarden Jahren stark erodiert wurden, ist die eine minimale Wassertiefe. Darüber hinaus wurde der Krater etwa 300 Millionen Jahre später von mächtigen Lavaströmen der nahegelegenen Vulkanregion Syrtis Major verfüllt.

Der Jezero Einschlagskrater wurde aus guten Gründen ausgewählt. In dem Krater befinden sich zwei sehr alte Flussdeltas, in deren Ablagerungen zahlreicher wasserhaltiger Minerale entdeckt wurden: ein Beweis dafür, dass dort Wasser in flüssigem Zustand für sehr lange Zeit vorhanden gewesen sein muss.

Die beiden ehemaligen Zuflusstäler Neretva Vallis und Sava Vallis sind im westlichen und nordwestlichen Teil des Kraters zu erkennen (Viewpoint Inlet 1). Wasserhaltige Tonminerale, aber vor allem auch Karbonate, die im westlichen Delta in vergleichsweise großen Mengen auftreten, bergen ein hohes Potential der Konservierung möglicher Biosignaturen. Das frühere Vorhandensein von Wasser und die mächtigen Karbonatablagerungen machen Jezero zu einem perfekten Ziel für die Suche nach möglichem ehemaligem Leben auf dem Mars.

 

Blick vom Berg im Südosten

Der Aussichtspunkt Mountain View bietet einen perfekten Blick in den Krater. Dieser Aussichtspunkt befindet sich auf der Spitze des großen Hügels südöstlich des Kraters.Von hier aus wird deutlich, dass der nördliche Teil des Kraterbodens schräg abfallend und der Kraterrand weitaus weniger deutlich ausgeprägt sind, als der ebene, südliche Kraterboden und die steileren Südflanken. Grund dafür ist, dass Material im Einzugsgebiet nördlich des Kraters abgetragen, in das Kraterinnere verfrachtet und in den Deltas als Sedimente abgelagert wurde. Auch die Erosion des nördlichen Kraterrandes durch die durchbrechenden Flusstäler spielte bei der Bildung dieser asymmetrischen Topographie (siehe auch Topographische Karte) eine Rolle


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