Flug über den Krater Neukum auf dem Mars

Im Januar 2018 wurde ein Bildmosaik des Kraters Neukum auf dem Mars von ESA, DLR und FU Berlin veröffentlicht. Der deutsche Planetenforscher Gerhard Neukum, nach dem der Krater benannt wurde, entwickelte die High Resolution Stereo Camera (HRSC) die sich an Bord der Raumsonde Mars Express seit 2003 im Orbit um den Mars befindet. Daten der HRSC werden hier als Animation des Einschlagkraters “Neukum” präsentiert, erstellt von Mitarbeitern der Fachrichtung Planetologie und Fernerkundung der Freien Universität Berlin. Die systematische Prozessierung der Kameradaten erfolgte am Institut für Planetenforschung des DLR in Berlin-Adlershof.

    

                         

Der 102 Kilometer große Einschlagkrater Neukum befindet sich in der Region Noachis Terra im dicht bekraterten südlichen Marshochland, ungefähr 800 km vom östlichen Rand des großen Einschlagbeckens Hellas Planitia entfernt. Dieser komplexe Einschlagkrater hat eine vielfältige geologische Geschichte, worauf unterschiedliche geomorphologische Strukturen am Rand und am Boden des Kraters hinweisen.

   

Über Milliarden von Jahren wurde der Boden des Kraters Neukum mit sedimentären Ablagerungen bedeckt, was eine Abflachung des ursprünglich viel tieferen Kraterinneren zur Folge hatte. Der Kraterrand und die Auswurfablagerungen wurden stark durch Wasser, Wind und Einschläge verwittert. Außerdem könnten glaziale Prozesse aktiv gewesen sein, wie sich aus der Beobachtung von moränenartigen Strukturen und Hangrutschen an den Kraterhängen schlussfolgern lässt.

  

Heutzutage fällt der Krater Neukum durch ein dunkles Dünenfeld und zwei ausgedehnte Vertiefungen im Kraterboden auf. Anders als auf der Erde sind die meisten Dünenfelder des Mars dunkel, weil sie aus vulkanischem Material bestehen. Innerhalb des Dünenfeldes sind die steil abfallenden Hänge der Dünen meist nach Westen orientiert, was eine vorherrschende Windrichtung aus Osten anzeigt. Deutlich erkennbar sind außerdem helle Ablagerungen am Kraterboden westlich des Dünenfeldes.

   

Das Alter des Kraters Neukum kann durch eine Verteilungsanalyse von Kratergrößen und Kraterhäufigkeiten auf geologischen Kartiereinheiten abgeschätzt werden. Diese spezielle Methode wurde seit den 1970er Jahren durch Gerhard Neukum und Kollegen entwickelt und verbreitet. Messungen vieler kleiner Einschlagkrater, welche die geologischen Einheiten des Kraters Neukum überlagern, ergaben ein Bildungsalter von 3,5-3,7 Milliarden Jahren. Wesentlich jüngere gemessene Alter bis zu 66 Millionen Jahren zeigen eine Überprägung durch verschiedene geologische Prozesse an.

 

Bildverarbeitung und das HRSC-Experiment auf Mars Express

Das Farbmosaik wurde aus drei Orbitstreifen zusammengesetzt (2529, 4346, 4357) und aus dem senkrecht auf die Marsoberfläche gerichteten Nadirkanal und den Farbkanälen der HRSC erstellt. Der Bildausschnitt liegt etwa bei 26°-31° östlicher Länge und 42°-47° südlicher Breite. Das Mosaikbild wird dann mit topographischen Informationen aus den Stereokanälen der HRSC kombiniert, so dass eine dreidimensionale Landschaft entsteht. Schließlich wird diese Mars-Landschaft ähnlich wie mit einer Filmkamera aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen, und daraus ein Überflug gerechnet.

        

Bildrechte

Animation: ESA/DLR/FU Berlin, CC BY-SA 3.0 IGO

Musik: Coldnoise, CC BY-SA 4.0

Soundtrack Logo: Adrian Neesemann

  

Copyright Notice:
This video (without music) is licenced under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 IGO (CC BY-SA 3.0 IGO) licence. The user is allowed to reproduce, distribute, adapt, translate and publicly perform it, without explicit permission, provided that the content is accompanied by an acknowledgement that the source is credited as 'ESA/DLR/FU Berlin', a direct link to the licence text is provided and that it is clearly indicated if changes were made to the original content. Adaptation/translation/derivatives must be distributed under the same licence terms as this publication. 

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Die High Resolution Stereo Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern gebaut (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH). Das Wissenschaftsteam unter Leitung des Principal Investigators (PI) Prof. Dr. Ralf Jaumann besteht aus 52 Co-Investigatoren, die aus 34 Institutionen und elf Nationen stammen. Die Kamera wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben.