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Depolitisierung von Katastrophen und humanitären Maßnahmen: Neuer Artikel und Panel der IHSA-Konferenz 2021

News vom 03.12.2021

Isabelle Desportes und Ntombizakhe Moyo-Nyoni (Forscher an der Midlands State University in Simbabwe) haben einen neuen Artikel in der Zeitschrift Disasters veröffentlicht. Unter dem Titel "Depoliticising disaster response in a politically saturated context: the case of the 2016-2019 droughts in Zimbabwe" (Depolitisierung der Katastrophenhilfe in einem politisch gesättigten Kontext: der Fall der Dürre 2016-2019 in Simbabwe) stellt der Artikel die Frage nach dem Warum sowie dem Wie und Was der Depolitisierung der Katastrophenhilfe in konfliktbetroffenen autoritären Kontexten. Er beschreibt die diskursiven, institutionellen und regelbasierten Depolitisierungspraktiken, die staatliche, internationale und zivilgesellschaftliche Akteur*innen bei der Reaktion auf die Dürren anwandten, und identifiziert drei Hauptmotivationen, um die Katastrophenhilfe als unpolitisch darzustellen: strategische, erzwungene und routinemäßige Depolitisierung des Managements. Der Artikel befasst sich mit den Auswirkungen der Depolitisierung, auch auf kommunaler Ebene, und zeigt auf, wie sich die Depolitisierung auf das Informationsmanagement, die Überwachung, die Rechenschaftspflicht und den Schutz und damit letztlich auf die Einhaltung der humanitären Grundsätze auswirken kann.
Die Depolitisierung humanitärer Maßnahmen war auch das zentrale Thema eines von Isabelle Desportes und Alice Corbet (Forscherin am französischen CNRS - LAM Sciences Po Bordeaux) organisierten Panels auf der IHSA-Konferenz 2021 im November in Paris. Im Rahmen von zwei Podiumsdiskussionen präsentierten sechs Teilnehmer*innen ihre Ergebnisse, die von der Darstellung des Verhältnisses indigener Gruppen zu Katastrophen in den Medien (von Anuska Morsurska) über die Grundsätze medizinischer Teams bei Protestdemonstrationen in Hongkong (von Sophie Roborgh) bis hin zum Neoliberalismus als depolitisierende Ideologie humanitärer Maßnahmen (von Bertrand Bréqueville) reichten. Zu Beginn der Podiumsdiskussion berichtete ein Mitglied der Zivilgesellschaft aus Myanmar (anonym) über ihre Erfahrungen mit de·politisierten humanitären Maßnahmen. Die Teilnehmer*innen haben die Diskussion mit den sowohl physisch als auch online anwesenden Zuhörer*innen sehr wertgeschätzt.

Das Papier ist bereits vor der Drucklegung online zugänglich und wird weiterhin frei zugänglich bleiben:
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/disa.12516 

Die Beschreibung des Panels sowie eine vollständige Liste der Vortragenden und ihrer Kurzfassungen finden Sie hier:
https://conference.ihsa.info/proposed-panels/view/2144/