Mond-Sonne-Erde-Modell

Auch die Stellung des Mondes zur Sonne beeinflusst die Höhe der Gezeiten. Die Konstellation von Erde, Mond und Sonne bestimmt während eines Mondmonats die Fluthöhen. Bei Neu- und Vollmond überlagern sich die Gezeiten von Sonne und Mond und führen zur höchsten Flut, der Springflut. Im ersten und letzten Viertel des Mondes wirken die Mond- und Sonnengezeiten entgegengesetzt, so dass sich die Höhe der Flut verringert und eine Nippflut auftritt. Der Höhenunterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser wird als Tidenhub bezeichnet.

Je nach Höhe des Tidenhubes ist die geomorphologische Wirkung des Tidenhubes unterschiedlich. Eine geringe Höhe des Tidenhubes bedeutet, dass die formengestaltende Wirkung der Brandungswellen auf das Ufer in einem eng begrenzten Niveaubereich erfolgt und daher auch horizontal auf einen schmalen Uferstreifen beschränkt bleibt. Ist der Tidenhub jedoch größer, verschiebt sich die Grenze zwischen Wasser und Land in jeder Gezeitenperiode in einer breiten Zone hin und her. Die geomorphologische Arbeit und Wirkung der Wellen ist damit viel flächenhafter verteilt als bei geringerer Tidenhubhöhe. Die lokal gestaltende Wirkung der Wellen ist dementsprechend geringer. Zudem ist die zeitliche Variation des Tidenhubs durch den Unterschied zwischen Nipp- und Springtiden an demselben Ort zu berücksichtigen. Im Allgemeinen ist der Tidenhub an den Küsten des Festlandes größer als auf offener See. An der Küste kann sich das von der Tide bewegte Wasser stauen. Zusätzlich können sogenannte Resonanzschwingungen die Wasserstandsschwankungen verstärken.