Karsttypen

Vollformenkarst, hier Turmkarst
Vollformenkarst, hier Turmkarst
Bildquelle: Schütt

Karstlandschaft ist nicht gleich Karstlandschaft. Das landschaftliche Erscheinungsbild selbst ist durch Geologie und Landschaftsgeschichte, durch die geographische Lage, durch die klimatischen Gegebenheiten und letztlich auch durch menschliche Eingriffe sehr unterschiedlich.

Eine rein beschreibende Typisierung der Karstgebiete kann nach den diese jweilis dominierenden Formen vorgenommen werden:

  • Karrenfelder
  • Dolinenkarst
  • Trockentalkarst
  • Dinarischer Karst
  • Kegelkarst

Insbesondere war in Karstmorphologie immer die Unterscheidung der beiden letztgenannten Grundtypen Forschungsschwerpunkt. Beide sollen hier erläutert sein.

Dinarischer Karst (mediterranen Karst)

Der dinarische oder mediterrane Karst ist durch Dolinen, Poljen, Trockentäler, Korrosionsflächen und Karren geprägte Karstregion des adriatischen Teils des Dinarischen Gebirges (Pfeffer 1978, S. 38).

Aufgrund der Dominanz dieser Hohlformen ist auch oft vom "außertropischen Hohlformenkarst" die Rede. Die Oberflächenformen des mediterranen Karstes gehen auf die geologische und geomorphologische Landschaftsgeschichte seit dem mittleren Tertiär zurück.

Kegelkarst (tropischer Karst)

Als Kegelkarst beziehungsweise tropischen Karst werden die von Vollformen geprägten Karstlandschaften verstanden, deren Verbreitung auf äquatoriale sowie südchinesische Gebiete beschränkt ist (Pfeffer 2005, S. 12 u. 16) (vergleiche Abbildung).

Bei den Vollformen handelt es sich um Kuppen, deren Erscheinungsbild von halbkugelförmigen, sinoiden bis hin zu steilen Türmen reicht. Die Höhen können von wenigen Dezimetern bis weit über 100 m aufweisen (Pfeffer 2005, S: 16). Zudem können auch die Formen des dinarischen Karstes auftreten.

Zyklustheorie

Der extreme Gegensatz im Formenschatz der beider Karsttypen ist seit Beginn des letzten Jahrhunderts eine zentrale Frage der geomorphologischen Forschungen. Karsttheorien wurden zur Genese der verschiedenen Karstlandschaften entwickelt. Diese waren geprägt vom Zyklusgedanken. Die Karstzyklustheorie führte die Verschiedenartigkeit der Karstlandschaften der Erde auf die jeweils unterschiedliche lange Dauer von Korrosion und Abtragung zurück und ordnete sie anhand dessen in ein zeitliches Entwicklungsschema. Der Karstzyklus beginnt mit der allmählichen Anlösung einer Karstgesteinsfläche und damit der Bildung initialer Hohlformen und endet in der weitgehenden Auflösung des betreffenden Gesteins mit nur noch wenigen verbleibenden Resten - den Vollformen - beziehungsweise sogar deren Auflösung. Die tropischen Karstlandschaften seinen danach in einem stark fortgeschrittenen Stadium des Karstzyklus. Mediterane Karstlandschaften befänden sich in der Entwicklung dorthin. Diese Theorie ist jedoch heute widerlegt. Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Karstprozesse regional sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Die Entwicklung der Karstformen ist stärker von den klimatischen Gegebenheiten abhängig als vom Faktor Zeit.