Glazialstratigraphie

Ungefährer Verlauf der Maximalausdehnung der letzten drei pleistozänen Vereisungen in Norddeutschland
Ungefährer Verlauf der Maximalausdehnung der letzten drei pleistozänen Vereisungen in Norddeutschland
Bildquelle: Liedtke 1992
Pleistozäne Glaziale und Interglaziale in Süd- und Norddeutschland; Obwohl eine 1:1 Parallelisierung nach neuesten Erkenntnissen als schwierig angesehen wird, sind hier die wichtigsten Warm- und Kaltzeiten gegeneinander aufgetragen
Pleistozäne Glaziale und Interglaziale in Süd- und Norddeutschland; Obwohl eine 1:1 Parallelisierung nach neuesten Erkenntnissen als schwierig angesehen wird, sind hier die wichtigsten Warm- und Kaltzeiten gegeneinander aufgetragen
Gliederung des Weichsel- Spätglazials in Stadiale und Interstadiale
Gliederung des Weichsel- Spätglazials in Stadiale und Interstadiale
Bildquelle: Litt 2001

In der Erdgeschichte gab es immer wieder Vereisungsphasen, die von wärmeren Phasen relativ stabilen Klimas abgelöst wurden. Das letzte Eiszeitalter (Pleistozän) war geprägt von Kaltzeiten (Glazialen) und dazwischenliegenden Warmzeiten (Interglazialen) (vgl. Tabelle zur Pleistozän-Gliederung). Kaltzeiten sind geprägt durch Gletscheraufbau und Meeresspiegelsenkungen während Warmzeiten mit Gletscherrückgang und Meeresspiegelanstieg verbunden sind. Drei Hauptvereisungsphasen sind im Pleistozän belegt: die Benennung erfolgt regional abhängig nach Flüssen. Für Nord/Mitteleuropa werden sie demnach Weichselkaltzeit, Saalekaltzeit und Elsterkaltzeit bezeichnet. Zwischen den Kaltzeitkomplexen lagen die Warmzeiten Eem- und Holstein-Interglazial. Das Holozän, die Nacheiszeit in der wir uns heute befinden, dauert seit ca. 10.000BP an.

Die drei Hauptvereisungsphasen waren jedoch in sich nicht stabil kalt sondern gliedern sich wiederum in sogenannte Stadiale und Interstadiale, also kälteren Phasen, in denen es zu Gletschervorstoß (und damit in der Regel auch zu einem neuen Endmoränenzug und zugehörigem Sander und Urstromtal) kam und relativ wärmeren Phasen in denen das Eis stagnierte (vgl. Tabelle zum Weichsel-Spätglazial). Aus diesem Grund wird auch oft nicht von Kaltzeiten sondern von Komplexen geredet.

Die Stadiale der Weichseleiszeit für die Endmoränenbildungen belegt sind, werden in Norddeutschland (von alt nach jung) Brandenburger Stadium (zur Zeit des LGM vor ca. 24ka), Frankfurter Stadium, und Pommersches Stadium genannt. Die beiden wichtigsten des Saale-Komplexes sind das Drenthe- und das Warthe-Stadium.

Ursachen und weiterführende Informationen zur Entstehung von Warm- und Kaltzeiten finden sich im Kapitel Klimaschwankungen.

 

Wichtige Begriffe

Glazial: "Kaltzeit" - Periode global niedriger Temperaturen mit Gletscheraufbau

Interglazial: "Warmzeit" zwischen zwei Eiszeiten, gekennzeichnet durch ein global mildes Klima und Gletscherrückzug

Stadial: Kaltphase mit Gletschervorstoß innerhalb einer Eiszeit

Interstadial: Warmphase innerhalb einer Eiszeit

LGM: Das "Last Glacial Maximum" bezeichnet die Maximalausdehnung des Eises zur letzten Kaltzeit, bzw. die größte Eismasse oder auch den größten peak in den Isotopenkurven