Glazialerosion

Glazialerosion - Detersion, Detraktion und Exaration in der Übersicht
Glazialerosion - Detersion, Detraktion und Exaration in der Übersicht
Bildquelle: PG-Net

Die Glazialerosion umfasst alle Prozesse, die zur Abtragung von Material unter Einwirken von Eis bzw. Eismassen oder Gletschern führen. Reines Eis ist zu weich um direkt anstehendes Gestein zu erodieren. Deswegen kann Glazialerosion in der Regel nur an der Gletschersohle, wo der Druck am größten ist, und mit Hilfe von im Eis eingebettetem Material stattfinden.  Die Glazialerosion wird in drei Prozesse gegliedert (vgl. Abbildung):

Detersion [lat. terere ("reiben") ]: Eis bzw. das im/am Gletscher festgefrorene und dadurch mittransportierte Material (vgl. Detraktion) übt erosive Tätigkeit an der vom Gletscher überfahrenen Gesteinsoberfläche aus. Dadurch bilden sich typische Schleifrillen (Gletscherschrammen) aus (statt Detersion wird auch der Begriff "Gletscherschliff" verwendet), mit denen zum einen die Fließrichtung eines Gletschers rekonstruiert werden kann und zum anderen die Existenz von Vereisungsphasen in einem Gebiet nachgewiesen wird. Abhängig von der beteiligten Korngröße und der Matrix des Gesteines kommt es zu Gletscherschrammen oder zu Gletscherschliff, wenn das Gestein durch mit Feinmaterial durchsetztes Schmelzwasser (Gletschermilch) wie mittels Schleifpapier regelrecht poliert wird.

Detraktion [lat. traktare ("behandeln/bearbeiten")]: "Herausbrechen" von Material aus einem Gesteinsverbund durch Festfrieren an der Gletscherunterseite.

Exaration [lat. ex ("aus") + arare ("pflügen")]: Die Exaration umfasst die erosive Tätigkeit einer Eismasse auf einen Lockermaterialuntergrund und das anstehende Gestein. Das Gletschereis bzw. ein Gletscherlobus schürft sich in Bewegungsrichtung des Eises großflächig in den Untergrund. Durch den Prozess der Exaration entstehen Zungenbecken, Trogtäler, Kare und Rundhöcker.