Das fluviale System

Wasserscheiden und Tiefenlinien
Wasserscheiden und Tiefenlinien

Weitaus der größte Teil der Landoberfläche wird von den Einzugsgebieten der Flüsse und Bäche eingenommen.

Als Einzugsgebiet oder Flussgebiet wird dabei die von einem natürlichen Wasserlauf entwässerte Fläche bezeichnet (Marcinek 1997, S. 461).

Die Grenzlinien zwischen den Einzugsgebieten heißen Wasserscheiden. Von ihnen fließt das Wasser in verschiedene Richtungen ab. In Reaktion auf die relieferhöhende Wirkung endogener Prozesse haben die Wasserläufe ihre Bahnen in das Land eingeschnitten und bilden so die sogenannten Tiefenlinien der Oberfläche (vergleiche Abbildung). Tiefenlinien stellen Linien der Konvergenz des Oberflächengefälles dar. Ihr Gegenstück sind die Kammlinien der Wasserscheiden zwischen den Einzugsgebieten. Kammlinien sind Linien der Divergenz. Tiefenlinien und Kammlinien gliedern somit die Erdoberfläche; dass heißt, sie bestimmen eine hierarchische räumliche Ordnung, da kleine Wasserläufe in größere münden, ebenso wie kleine Wasserscheiden an größeren ansetzen.

Wasserläufe stellen jedoch nicht nur Linien der Eintiefung dar, sondern sind auch Sammellinien und Transportbahnen für das von den Hängen durch Verwitterung bereitgestellte und durch Denudation abgetragene Gesteinmaterial. Sie führen dieses Material zusammen mit dem, was von ihrer eigenen Tiefenerosion herrührt, flussabwärts ab. Dort, wo das Gefälle nicht mehr für den Weitertransport ausreicht, lagern die Flüsse ihre transportierte Fracht wieder ab.

Damit ist die gesamte Landoberfläche jedes Flusseinzugsgebiets als ein zusammenhängendes System zu verstehen: das fluviale System. Dieses beinhaltet denudative Prozesse am Hang und die Flussarbeit.