Numerische Simulation und Verifikation mikroklimatischer Wechselwirkungen zur Detektierung abiotischer Lebensbedingungen für Zecken / Gutachter: Prof. Dr. Sahar Sodoudi, PD Dr. Peter Névir

Ken Vollack / Masterarbeit— 2015

Diese Arbeit widmet sich der interdisziplinären Fragestellung, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Mikroklima und der Aktivität des Gemeinen Holzbock, Ixodes ricinus, gibt und wie dieser kleinskalig mit Hilfe von Mikroklima-Modellierung erfasst werden kann. Diese Fragestellung wurde auf verschiedenen raumzeitlichen Skalen untersucht, wofür über viereinhalb Jahre wöchentliche bzw. zweiwöchentliche Daten zur Zeckendichte und meteorologische Beobachtungsdaten des Standortes Berlin Botanischer Garten räumlich differenziert zur Verfügung standen. Um die Interaktion der Zecken in verschiedenen Vegetationsstrukturen zu untersuchen, wurde zur Simulation von kleinskaligen Unterschieden atmosphärischer Bedingungen inWechselwirkung mit komplexen Vegetationsarten das Mikroklima-Modell ENVI-met eingesetzt. Es zeigte sich, dass die mikroklimatischen Bedingungen der Vorwitterungszeit im Zeitraum November bis März in Form der relativen Luftfeuchtigkeit, der Erdbodentemperaturen und der Schneedecke einen bedeutenden Einfluss auf die Wirtssuchaktivität der Zeckennymphen im Frühjahr haben. Insbesondere die Schneedecke diente als Isolator zwischen Atmosphäre und Erdboden und hatte nicht nur einen Einfluss auf die Erdbodentemperaturen, sondern bat vermutlich auch Schutz für die Nymphen vor dem Austrocknen und vor Kälte und Frost. Im jährlichen Verlauf der Nymphenaktivität zeigte sich eine bimodale Struktur, für die mit Hilfe eines konzeptionellen Modells die Gipfel mit einem linearen Anstieg (Onset der Nymphenaktivität) und einem exponentiellen Abfall (Offset der Nymphenaktivität) beschrieben werden konnten. Der Onset war von März bis Anfang April, das Maximum im April und der Offset von April bis Anfang Mai zu finden. Die Untersuchung der räumlichen Verteilung wirtssuchender Zecken im Untersuchungsgebiet ergab, dass sich die Nymphenaktivität nordwestlich/südöstlich entlang einer Benjeshecke stark unterschied. Das Mikroklima-Modell ENVI-met wurde zur räumlichen Simulation der 0.10 m Lufttemperatur und 0.10 m spezifischen Luftfeuchtigkeit eingesetzt und mit meteorologischen Punktmessungen im Zeckenhabitat validiert. Das Modell simulierte generell kühlere und trockenere Bedingungen als gemessen. Es zeigten sich im Tagesverlauf entlang der Benjeshecke zwei atmosphärische Regime. In der ersten Tageshälfte bis 14 Uhr war es generell südöstlich der Benjeshecke wärmer und feuchter als nordwestlich, während in der zweiten Tageshälfte ab 14 Uhr annähernd keine Differenzen auftraten. Eine höhere Evapotranspiration und resultierende Taubildung könnte die höhere Aktivität der Nymphen südöstlich der Benjeshecke erklären. Zusammenfassend zeigt sich in dieser Arbeit, dass der Einfluss abiotischer Lebensbedingungen auf Zecken auf einer differenzierten raumzeitlichen Skala untersucht werden sollte.

TitelNumerische Simulation und Verifikation mikroklimatischer Wechselwirkungen zur Detektierung abiotischer Lebensbedingungen für Zecken / Gutachter: Prof. Dr. Sahar Sodoudi, PD Dr. Peter Névir
VerfasserKen Vollack / Masterarbeit
VerlagInstitut für Meteorologie / AG Stadtklima / Standort: Bibliothek
Datum20150325
Spracheger
Arttranslation missing: de.fu_dc_publikation_ordner.Text.Thesis.Master
Größe oder Länge92 S., XXII