Mega-Fluten am Krater Worcester auf dem Mars

Bilddaten der hochauflösenden Stereokamera HRSC an Bord der ESA-Raumsonde Mars Express zeigen die Flussmündung von Kasei Valles, des größten Ausflusstalsystems rund um das Chryse-Impaktbecken auf dem Mars. Historische Mega-Überflutungen veränderten dieses Gebiet bevor sie sich schließlich in Chryse Planitia sammelten. Mitarbeiter der Fachrichtung Planetologie und Fernerkundung der Freien Universität Berlin erstellten die hier gezeigten Ansichten. Die systematische Prozessierung der Daten erfolgte am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof.

Worcester Crater Perspektive
Worcester Krater Perspektive
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Das weitläufige Kanalsystem der Kasei Valles (hier eine Animation aus dem Jahr 2014) hat eine Gesamtausdehnung von ca. 3000 km von seiner Quellregion in Echus Chasma (südwestlich des Bildausschnitts gelegen) bis zu seiner Mündung im Chryse Planitia Einschlagsbecken (östlich des Bildausschnitts gelegen). Eine Mischung aus Vulkanismus, Tektonik, Kollaps und Bodenabsenkungen führten vor 3,6 und vor 3,4 Milliarden Jahren zu mehreren Flutereignissen in der Kasei Valles Region, bei denen große Mengen an Grundwasser freigesetzt wurden.

                                            

Worcester Crater Farbaufsicht
Worcester Krater Farbaufsicht
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Der Einschlagskrater Worcester, mit einem Durchmesser von ca. 25 km der größte im Bildausschnitt sichtbare Krater, hat teilweise der Erosionskraft der Kasei Valles Mega-Überflutungen widerstanden. An einigen Stellen wurde sein Auswurfmaterial abgetragen, anderswo blieb es erhalten. Dadurch bildete sich eine stromlinienförmige Insel, welche heute noch die ehemalige Flussrichtung von West nach Ost erkennen lässt.

                                                           

Worcester Crater Farbkodiertes Höhenmodell
Worchester Krater Farbkodiertes Höhenmodell
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Neben dem Worcester-Krater zeigt ein kleinerer unbenannter Einschlagskrater die Beschaffenheit des Untergrundes an: seine wallartige Auswurfdecke weist auf einen wasser- und eishaltigen Boden hin. Im Gegensatz dazu deutet die strahlenförmige Auswurfdecke des nördlichsten Kraters im Bild auf eine unterschiedliche Zusammensetzung des plateauartigen Restberges hin, auf dem sich der Krater befindet. Terrassen und kleine dendritische Kanäle am Fuß des 1 km hohen Restberges zeigen unterschiedliche Wasserstände während zahlreicher Flutereignisse an, welche die Landschaft geprägt haben.

    


Veranschaulichung von Flutereignissen und Erosion

                

    

Worcester Crater Anaglyphe
Worchester Krater Anaglyphe
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Bildverarbeitung und das HRSC-Experiment auf Mars Express

Die Aufnahmen mit der HRSC (High Resolution Stereo Camera) entstanden am 25. Mai 2016 während Orbit 15714 von Mars Express. Die Bildauflösung beträgt 15 Meter pro Bildpunkt (Pixel). Die Bildmitte liegt bei etwa 309° westlicher Länge und 27° nördlicher Breite. Die Farbaufsicht wurde aus dem senkrecht auf die Marsoberfläche gerichteten Nadirkanal und den Farbkanälen der HRSC erstellt, die perspektivische Schrägansicht wurde aus den Stereokanälen der HRSC berechnet. Das Anaglyphenbild, das bei Betrachtung mit einer Rot-Blau- oder Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Landschaft vermittelt, wurde aus dem Nadirkanal und einem Stereokanal abgeleitet. Die in Regenbogenfarben kodierte Aufsicht beruht auf einem digitalen Geländemodell (DTM) der Region, von dem sich die Topographie der Landschaft ableiten lässt. Der Referenzkörper für das HRSC-DTM ist eine Marskugel.

  

Mapserver

Um bereits veröffentlichte Rohbilder und DTMs der Region im GIS-kompatiblen Format herunterzuladen, benutzen Sie bitte diesen Link zu unserem Mapserver.

  

Bildrechte

Images: ESA/DLR/FU Berlin, CC BY-SA 3.0 IGO

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Die High Resolution Stereo Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern gebaut (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH). Das Wissenschaftsteam unter Leitung des Principal Investigators (PI) Prof. Dr. Ralf Jaumann besteht aus 52 Co-Investigatoren, die aus 34 Institutionen und 11 Nationen stammen. Die Kamera wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben.