Chaos und Wasser auf dem Mars

Auf neuen Bildern der High Resolution Stereo Camera (HRSC) an Bord der ESA Raumsonde Mars Express sind chaotische Gebiete und ungewöhnlich helle Ablagerungen innerhalb eines Einschlagkraters im südlichen Hochland auf dem Mars zu sehen. Netzwerke ausgetrockneter Flusstäler in der Umgebung deuten auf Niederschlag und Wassertransport in der Marsvergangenheit hin. Mitarbeiter der Fachrichtung Planetologie und Fernerkundung der Freien Universität Berlin erstellten die hier gezeigten Ansichten. Die systematische Prozessierung der Daten erfolgte am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof.


Erythraeum Chaos Perspektive
Erythraeum Chaos Perspektive
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Die innere Beschaffenheit von Einschlagkratern auf dem Mars kann sehr unterschiedlich sein, und umfasst z.B. Ablagerungen von Sedimenten und Hangrutschen, Dünen, Deltas, Auswurfmaterial und vieles andere. Eine Fülle verschiedener Materialien findet man in dem abgebildeten komplexen Einschlagkrater in der Region Margaritifer Terra auf dem Mars: Dieser Krater mit einem Durchmesser von ca. 70 km, einem flachen Boden und eingeebneten Rand zeigt Rutschungen am inneren Kraterrand, einen glatten Kraterboden im nordwestlichen Teil, blockiges, chaotisches Material im Südteil, und insbesondere einige auffällige helle Ablagerungen.

                                               

Erythraeum Chaos Farbaufsicht
Erythraeum Chaos Farbaufsicht
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Die hellen Ablagerungen am Kraterboden sind nicht nur in HRSC-Aufnahmen offensichtlich, sondern insbesondere auch in THEMIS Nachtaufnahmen. Das Thermal Emission Imaging System THEMIS ist ein Instrument an Bord der NASA Raumsonde Mars Odyssey, die den Mars seit 2001 umkreist. Gesteine erscheinen in THEMIS Nachtaufnahmen hell, wenn sie verglichen mit der Umgebung eine höhere Temperatur haben. Diese Eigenschaft spricht für das Vorhandensein von Festgestein, da dieses in der Nacht die Wärme des Tages besser speichern kann. Im Gegensatz dazu kühlen Lockermaterialien wie Sand und Staub schneller ab.

                                                             

Erythraeum Chaos Farbkodiertes Höhenmodell
Erythraeum Chaos Farbkodiertes Höhenmodell
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                           Erythraeum Chaos Farbkodiertes Höhenmodell
                                      Entstehung von chaotischen Gebieten

     

Das chaotische Material am Kraterboden ist durch Plateaus, kleine Restberge und Hügel, durchzogen von Furchen, gekennzeichnet. Man findet es auch nördlich des Kraters (rechts im Bild), in einem Gebiet, das Erythraeum Chaos genannt wird, und vermutlich einmal ein See gewesen ist. Sedimente am Boden von Erythraeum Chaos wurden evtl. durch das Talnetzwerk Paraná Valles, das sich weiter im Osten befindet, abgelagert. Die Paraná Valles bilden zusammen mit den Loire Valles in der nordwestlichen Ecke des Bildes (oben rechts) eines der größten durchgängigen Talsysteme auf dem Mars. Chaotische Gebiete und Talnetzwerke die man heute noch an der Oberfläche sieht sind Hinweise auf den Transport, die Speicherung und die Freisetzung von Wasser in der Marsvergangenheit.

   

Erythraeum Chaos Anaglyphe
Erythraeum Chaos Anaglyphe
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Bildverarbeitung und das HRSC-Experiment auf Mars Express

Das Bildmosaik besteht aus Mars Express HRSC (High Resolution Stereo Camera) Orbit 16648 vom 22. Februar 2017 mit einer Bildauflösung von 15 Metern pro Bildpunkt (Pixel) und Orbit 4090 vom 13. März 2007 mit einer Bildauflösung von 17 Metern pro Bildpunkt. Die Die Bildmitte liegt bei etwa 346° östlicher Länge und 23° südlicher Breite. Die Farbaufsicht wurde aus dem senkrecht auf die Marsoberfläche gerichteten Nadirkanal und den Farbkanälen der HRSC erstellt, die perspektivische Schrägansicht wurde aus den Stereokanälen der HRSC berechnet. Das Anaglyphenbild, das bei Betrachtung mit einer Rot-Blau- oder Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Landschaft vermittelt, wurde aus dem Nadirkanal und einem Stereokanal abgeleitet. Die in Regenbogenfarben kodierte Aufsicht beruht auf einem digitalen Geländemodell (DTM) der Region, von dem sich die Topographie der Landschaft ableiten lässt. Der Referenzkörper für das HRSC-DTM ist eine Marskugel.

  

Mapserver

Um bereits veröffentlichte Rohbilder und DTMs der Region im GIS-kompatiblen Format herunterzuladen, benutzen Sie bitte diesen Link zu unserem Mapserver.

  

Bildrechte

Images: ESA/DLR/FU Berlin, CC BY-SA 3.0 IGO

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Die High Resolution Stereo Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern gebaut (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH). Das Wissenschaftsteam unter Leitung des Principal Investigators (PI) Prof. Dr. Ralf Jaumann besteht aus 52 Co-Investigatoren, die aus 34 Institutionen und 11 Nationen stammen. Die Kamera wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben.