Gletscher in Colles Nili

Bilddaten der hochauflösenden Stereokamera HRSC an Bord der ESA-Raumsonde Mars Express von Ende Mai 2016 zeigen glaziale Strukturen an der Dichotomiegrenze des Mars. Die Dichotomiegrenze trennt die glatten nördlichen Tiefebenen von den rauen südlichen Hochländern. Mitarbeiter der Fachrichtung Planetologie und Fernerkundung der Freien Universität Berlin erstellten die hier gezeigten Ansichten. Die systematische Prozessierung der Daten erfolgte am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof.

   

Colles Nili Perspektive
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Die topographische Zweiteilung (griechisch: Dichotomie) in ein nördliches Gebiet mit Tiefebenen und ein älteres, südliches Hochland mit zahlreichen Einschlagskratern ist eines der auffälligsten Merkmale unseres Nachbarplaneten. Die Ursache dafür ist noch nicht geklärt. Einige Wissenschaftler halten es für denkbar, dass die Nordhalbkugel des Mars vor mehr als vier Milliarden Jahren von einem großen Planetoiden (Kleinplanet) wie von einem Streifschuss getroffen wurde und dabei mehrere Kilometer der jungen Gesteinskruste "abrasiert" wurden. Die Dichotomiegrenze besteht vielerorts aus einer Steilkante, die einen topographischen Unterschied von einigen Kilometern zwischen den Hochebenen der Südhemisphäre und der tiefgelegenen Nordhemisphäre des Mars markiert.

                                      

Colles Nili Farbaufsicht
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An der Dichotomiegrenze waren Gletscher aktiv

Die Colles Nili befinden sich direkt am Fuß der Steilkante und bilden eine Ansammlung von eintausend bis zweitausend Meter hohen Bergen mit weichen Geländeformen, die wahrscheinlich schon stark erodierte Überreste der sich im Süden anschließenden alten Hochebene darstellen. Die in der Landschaft verteilten Hügel sind umgeben von weichen, welligen Ablagerungen, die im englischen Fachjargon als Lobate Debris Aprons (in etwa: zungenförmige Schutthalden) bezeichnet werden: Ströme aus Gesteinsschutt und Eis haben sich hangabwärts bewegt und dabei Hindernisse im Gelände umströmt, ehe sie zum Stillstand gekommen sind. Außerdem kann man zwischen den Hügeln Ablagerungen beobachten, die ein linienförmiges Muster auf der Oberfläche zeigen und als Lineated Valley Fill (in etwa: linierte Talfüllung) bekannt sind. Auch sie entstehen, wenn eine Masse aus Gestein, Eis und Staub an sich gegenüberliegenden Hängen langsam hinabrutschen, sich am Talboden treffen und einander überlappen.

                                                    

Colles Nili Farbkodiertes Höhenmodell
Colles Nili Farbkodiertes Höhenmodell
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Sowohl Lobate Debris Aprons als auch Lineated Valley Fills bestehen wahrscheinlich aus schuttbedeckten Eisströmen, sogenannten Blockgletschern, und kommen entlang der gesamten Dichotomiegrenze auf dem Mars vor. Diese eiszeitlichen Ablagerungen könnten sich durch den Zusammenbruch einer regionalen, zurückweichenden Eisdecke gebildet haben, die dann mehr und mehr von seitlich auf das Eis rutschendem Gesteinsschutt bedeckt wurde. Eventuell gab es über die letzten hunderte Millionen Jahre mehrere Episoden von Gletscheraktivität in dieser Region. Das dunkle Material, das die Hügel und Ebenen stellenweise überdeckt, ist Sand vulkanischen Ursprungs, der sich zu Dünen auftürmen kann, gut zu sehen innerhalb des großen Einschlagskraters.

                                        

Colles Nili Anaglyphe
Colles Nili Anaglyphe
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Bildverarbeitung und das HRSC-Experiment auf Mars Express

Die Aufnahmen mit der HRSC (High Resolution Stereo Camera) entstanden am 29. Mai 2016 während Orbit 15727 von Mars Express. Die Bildauflösung beträgt 15 Meter pro Bildpunkt (Pixel). Die Bildmitte liegt bei etwa 60° östlicher Länge und 36° nördlicher Breite. Die Farbaufsicht wurde aus dem senkrecht auf die Marsoberfläche gerichteten Nadirkanal und den Farbkanälen der HRSC erstellt, die perspektivische Schrägansicht wurde aus den Stereokanälen der HRSC berechnet. Das Anaglyphenbild, das bei Betrachtung mit einer Rot-Blau- oder Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Landschaft vermittelt, wurde aus dem Nadirkanal und einem Stereokanal abgeleitet. Die in Regenbogenfarben kodierte Aufsicht beruht auf einem digitalen Geländemodell (DTM) der Region, von dem sich die Topographie der Landschaft ableiten lässt. Der Referenzkörper für das HRSC-DTM ist eine Marskugel.

  

Mapserver

Um bereits veröffentlichte Rohbilder und digitale Geländemodelle der Region im GIS-kompatiblen Format herunterzuladen, benutzen Sie bitte diesen Link zu unserem Mapserver.

  

Bildrechte

Images: ESA/DLR/FU Berlin, CC BY-SA 3.0 IGO

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Die High Resolution Stereo Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern gebaut (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH). Das Wissenschaftsteam unter Leitung des Principal Investigators (PI) Prof. Dr. Ralf Jaumann besteht aus 52 Co-Investigatoren, die aus 34 Institutionen und elf Nationen stammen. Die Kamera wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben.