Moderne Seespiegelschwankungen des Lake Abaya, Süd-Äthiopien

Institution:

Institut für Geographische Wissenschaften

Fachrichtung Physische Geographie

Arbeitsbereich Prof. Dr. Schütt

Leitung:

G. Förch (Bauingenieurwesen, Universität Siegen) und B. Wenclawiak (Analytische Chemie, Universität Siegen)

Förderung:

DFG (Schu 949/5)

Projektlaufzeit:

01.01.2003 — 31.12.2005

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Brigitta Schütt

Telefon:

(+49 30) 838 - 70 479

Fax:

(+49 30) 838 - 70 755

Lake Abaya 1 Lake Abaya 2 Lake Abaya 3 Lake Abaya 4

 

Gegenstand der Untersuchung ist die Rekonstruktion der modernen Seespiegelschwankungen des Lake Abaya, eines Rift-Valley-Sees im südlichen Äthiopien, und die Erfassung des Ursachengefüges, die zu diesen Seespiegelschwankungen geführt haben und noch führen. In Zentrum steht dabei das Kräftefeld von natürlichen Klimaschwankungen, Human Impact und endogen verursachter Änderungen der Abflußbedingungen. Die Seespiegelstände des Lake Abaya unterliegen seit 1989 einem kontinuierlichen Anstieg. Erste Analysen der Abflussdaten von Tributären des Lake Abaya zeigen, dass hier für denselben Zeitraum die jährlichen Abflussmengen i.a. abnehmen. Dieser (quasi-)natürliche Wasserhaushalt wird überprägt durch den im Einzugsgebiet seit Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts kontinuierlich zunehmenden Bevölkerungsdruck und der damit einhergehenden Intensivierung der Landnutzung – und dem hieraus resultierenden zunehmenden Wasserverbrauch, sowie einer drastische Zunahme der Bodenerosion. Gleichzeitig unterliegen die Jahresniederschlagssummen im Einzugsgebiet des Lake Abaya einer hohen Variabilität, lassen jedoch in den vergangenen 30 Jahren keinen Trend erkennen.

Die raum-zeitliche Bewertung der Abflussbildungs- und Erosionsprozesse im Einzugsgebiet als Ursache für das veränderte Sedimentationsverhalten erfordert zunächst die Bilanzierung des Sedimentationsverhaltens – und damit des Stoffhaushaltes, vorgenommen mit Hilfe der sedimentologischen Analyse von Delta- und Schwemmfächerablagerungen. Die Datierung der vielfach nur wenige 10er Jahre alten Sedimente erfolgt zunächst mit Hilfe der Analyse der radioaktiven Isotope 137Cs und 210Pb. Gleichzeitig soll anhand des organischen Pollutants DDT und seiner metabolisierten Abbauprodukte DDE und DDD eine alternative Möglichkeiten der Altersadatierung dieser sehr jungen Sedimente überprüft werden.

Der sich in Raum und Zeit verändernde Einfluss des Menschen auf den Landschaftshaushalt wird für den Zeitraum ab 1981 über die Veränderungen des Vegetationsbedeckungsgrades anhand des NVDI flächendeckend für das Einzugsgebiet des Lake Abaya auf der Grundlage von NOAA-AVHRR Bilddaten erfasst. Durch Einbeziehung von Zensusdaten dienen die NDVI-Daten dann als Grundlage einer räumlichen Gewichtung des Landnutzungsverhaltens. Die Verknüpfung dieser Datenreihen mit den Analysen des aktuellen Wasser- und Schwebstoffhaushaltes erlaubt unter Einbeziehung der Klimamessreihen bei Verwendung von N-A- bzw. Bodenerosionsmodellen eine großräumig angelegte Modellierung des aktuellen Wasser- und Schwebstoffhaushaltes. Unter Einbeziehung der Ergebnisse der Sedimentanalyse in diese Modellierungsansätze sollen so schließlich für das 20. Jahrhundert der Wasserhaushalt, und Schwebstoffhaushalt und die Bodenerosionsgefährdung in Raum und Zeit modelliert werden.