Wirtschaftsgeographie

Die Wirtschaftsgeographie thematisiert die räumliche Organisation ökonomischen Handelns. Der Arbeitsbereich verfolgt dabei erstens eine relationale Forschungsperspektive. Ökonomisches Handeln geschieht niemals in Isolation, sondern ist immer situiert in einem sozialen, kulturellen und auch physisch-materiellen Kontext. Ziel der Forschungen ist es, ökonomisches Handeln aus der Beziehung der Akteure zueinander sowie aus ihrer Positionierung zu den umgebenden Regelungssystemen und in Raumstrukturen zu verstehen. Zweitens setzen die Forschungen des Arbeitsbereichs Raum nicht als ein extern gegebenes, unveränderliches a priori voraus. Vielmehr wird Räumlichkeit durch soziale Praktiken und ökonomische Interaktionen hervorgebracht. Der Arbeitsbereich analysiert ökonomische Praktiken aus einer räumlichen Perspektive. Drittens stehen Prozessdynamiken im Vordergrund. Soziales Handeln ist immer gleichzeitig in Raum und Zeit verortet. In den Forschungen des Arbeitsbereiches werden die zeitlichen Dynamiken der Raumnutzung im Handeln ebenso wie die historische Bedingtheit sowie die Fragen von Reversibilität/Irreversibilität von Entwicklungsprozessen ins Zentrum des Interesses gerückt.

Folgende aktuelle Themen werden derzeit erforscht:

  • Geographien des Wissens: Wissen wird zunehmend als die wichtigste, ja sogar einzig wirklich knappe ökonomische Ressource betrachtet. Die Geographie ökonomischen Handelns wird also immer stärker durch die Herausforderungen von Wissensproduktion und Innovation geprägt.

  • Wirtschaftsgeographie temporärer Organisationen (Projekte). Eine zunehmend wichtige Organisationsform, um neues Wissen zu erzeugen und technische wie soziale Innovationen praktisch umzusetzen ist die temporäre Organisation, das zeitlich befristete und inhaltlich stark fokussierte Projekt. Projekte existieren jedoch nicht für sich, sondern sie interagieren mit ihrem sozialen, lokalen und organisatorischen Kontext. Sie keine isolierten Episoden, sondern Produkte ihrer Geschichte und Anstrengungen, die mit Perspektive auf die Zukunft unternommen werden.

  • Wirtschaftsgeographie nutzerinduzierter Innovationsprozessen. Im Streben immer neue Produkte und Dienstleistungen zu finden, werden kompetente Nutzer und erfinderische Kunden immer mehr als Quelle für neues Wissen betrachtet. Ein Forschungsstrang beschäftigt sich mit der Frage, wie das stark aus der alltäglichen Nutzung gewonnene Wissen in Innovationsprozessen wirksam wird.

  • Regionalpolitik und Stadtentwicklung. Neue ökonomische Praktiken verlangen nach neuen Strategien in der Stadt- und Regionalentwicklung. Der Arbeitsbereich interessiert sich für die Fragen, wie Regionen ihre Anpassungsfähigkeit und Innovativität steigern können und wie die Lehren aus erfolgreichen Einzelfällen auch in anderen regionalen Kontexten gezogen werden können.